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Das beste Recruiting ist keines zu brauchen

Führungskultur

Warum Einzelmaßnahmen im HR scheitern und wie das BIG SIX Framework den Drehtür-Effekt dauerhaft stoppt.

Viele Unternehmen behandeln HR wie eine Reparaturwerkstatt. Eine Stelle ist offen: mehr Recruiting. Die Fluktuation steigt: ein neues Benefits-Programm. Eine Führungskraft macht Probleme: ein Training. Das sind keine falschen Maßnahmen. Aber sie lösen das falsche Problem. Einzelmaßnahmen bekämpfen Symptome. Das System dahinter bleibt unberührt und solange das System nicht funktioniert, dreht sich die Tür weiter. Strategy& / PwC beziffert die jährlichen Kosten von Mitarbeiterfluktuation für die deutsche Wirtschaft auf 165 bis 205 Milliarden Euro. Die Fluktuationsrate im deutschen Mittelstand liegt im langjährigen Mittel bei 30 bis 34 %. Das bedeutet: Rund jede dritte Stelle wird jedes Jahr neu besetzt. Das ist kein Marktproblem. Es ist ein Systemproblem. Das BIG SIX Framework ist unsere Antwort darauf. Sechs Elemente, die gemeinsam entscheiden, ob ein Unternehmen Teams baut, die bleiben, oder Teams, die sich im Drehtür-Effekt verlieren.
Inhaltsübersicht

Über diesen Blog

Dieser Blog wird exklusiv von Jan Fischer, Gründer der Wespect GmbH, geschrieben. Hier geht es um die echten Hebel im Mittelstand: Wie Sie echte Talente finden, den Drehtür-Effekt stoppen und Strukturen bauen, die Mitarbeitende dauerhaft binden. Sie wollen nicht nur lesen, sondern in Ihrem Betrieb anpacken? Senden Sie direkt eine Mail an: start@wespect.de Viel Spaß beim Lesen!
Themen
  • Recruiting
  • Mitarbeiterbindung
  • Führung
  • HR-Strukturen

Die Kausalkette, die die meisten Unternehmen nicht sehen

Fluktuation hat selten einen einzigen Grund. Sie ist das Ende einer Kette. Sie beginnt - meistens - im Recruiting. Wer unter Druck besetzt, besetzt falsch. Falsche Besetzungen erzeugen Kulturprobleme. Kulturprobleme produzieren schlechte Führung oder werden durch sie verstärkt. Schlechte Führung erzeugt innere Kündigung. Innere Kündigung erzeugt echte Kündigung. Echte Kündigung erzeugt Recruiting-Druck. Der Drehtür-Effekt ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis eines Systems, das nie als System gedacht wurde. Laut einer Studie von Haufe Talent hat jeder zweite Deutsche schon einmal in der Probezeit oder im ersten Jahr einen neuen Job gekündigt. 36 % der Unternehmen haben Kündigungen bereits zwischen Vertragsunterschrift und erstem Arbeitstag erlebt. Der häufigste Grund: falsche Erwartungen - also ein Missmatch, der im Recruiting entstand und im Onboarding nicht aufgefangen wurde. Wenn man nur das Recruiting verbessert, aber nicht das Onboarding, verschiebt man das Problem. Wenn man nur das Onboarding verbessert, aber nicht die Führungskultur, verschiebt man es wieder. Jede Phase hängt mit den anderen zusammen. Das ist der Ausgangspunkt des BIG SIX Frameworks.
  • Fluktuation kostet die deutsche Wirtschaft 165–205 Mrd. Euro jährlich (Strategy& / PwC)
  • Fluktuationsrate im deutschen Mittelstand: 30–34 % im langjährigen Mittel (Haufe)
  • 50 % der Deutschen haben schon einmal im ersten Jahr gekündigt (XING-Studie 2023)
  • 36 % der Unternehmen erleben Kündigung vor dem ersten Arbeitstag (Haufe Onboarding-Studie 2023)
  • Hauptgrund: falsche Erwartungen (56 %) - ein Missmatch aus Recruiting und Onboarding (Haufe)

Das BIG SIX Framework: Sechs Phasen, eine Logik

Das BIG SIX Framework ist kein HR-Programm. Es ist eine Architektur. Es beschreibt die sechs Phasen, die gemeinsam entscheiden, ob ein Unternehmen Teams baut, die bleiben, oder Teams, die sich im Drehtür-Effekt verlieren. Die sechs Phasen folgen einer klaren Logik: von der ersten Sichtbarkeit bis zur langfristigen Entwicklung. Jede Phase baut auf der vorherigen auf und jede Phase hat konkrete Hebel, die messbar wirken.
  • ATTRACT - Die richtigen Menschen anziehen Wer Recruiting als Suche betreibt, kämpft immer. Wer als Arbeitgeber klar positioniert ist, wird gefunden. Laut einer LinkedIn-Erhebung sind 56 % aller Beschäftigten passive Kandidaten. Sie suchen nicht aktiv, aber sie sind offen für das richtige Angebot. Dieses Angebot entsteht nicht durch Stellenanzeigen allein. Es entsteht durch eine klar erkennbare Arbeitgeberidentität: Wer sind wir? Wofür stehen wir? Warum sollte jemand zu uns kommen und bleiben? ATTRACT ist die Antwort auf diese Fragen und die Grundlage für alles, was danach kommt. 45,5 % würden sich zufriedener fühlen bei transparenteren Entscheidungen (ebd.)
  • RETAIN - Was Menschen wirklich hält Bindung ist kein Zustand. Sie ist ein aktiver Prozess. Laut Compensation Partner ist fehlende Wertschätzung der häufigste Kündigungsgrund - mit 45 %, noch vor einem zu niedrigen Gehalt. Laut Randstad Employer Brand Research 2025 fühlen sich 41 % der Beschäftigten in Deutschland nicht anerkannt. Retention ist deshalb keine Frage des Gehalts. Sie ist eine Frage der täglichen Führung, der Kultur und der Frage: Fühlt sich jemand hier gesehen? RETAIN beschreibt die Strukturen, die dafür sorgen, dass gute Menschen nicht still gehen, bevor jemand es merkt.
  • GROW - Wer nicht wächst, geht Mitarbeitende mit Zugang zu Entwicklungsmöglichkeiten bleiben zu 34 % häufiger im Unternehmen (Harvard Business Review). Unternehmen mit systematischer Personalentwicklung reduzieren ihre Fluktuationsrate um 30 %. Wachstum ist das stärkste Bindungsinstrument und gleichzeitig das am wenigsten strukturiert eingesetzte. Die meisten Unternehmen überlassen es dem Zufall, ob jemand bei ihnen besser wird. GROW bedeutet: Entwicklung ist kein Bonus. Sie ist Strategie.
  • CULTURE - Das Fundament, das alles trägt Kultur ist nicht das, was im Leitbild steht. Kultur ist das, was Ihre Mitarbeitenden tun, wenn Sie nicht im Raum sind. Der Gallup Engagement Index 2024 zeigt: 78 % der deutschen Beschäftigten machen nur noch Dienst nach Vorschrift. 9 % haben eine hohe emotionale Bindung - der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2001. Eine schwache Kultur ist die teuerste Ineffizienz, die ein Unternehmen haben kann. Sie zeigt sich nicht in einer Kennzahl - sie zeigt sich überall: in der Qualität der Arbeit, in der Bereitschaft, die Extrameile zu gehen, und in der Frage, ob jemand einem Freund empfehlen würde, hier zu arbeiten. CULTURE ist kein Element neben den anderen. Es ist der Boden, auf dem alle anderen stehen.
  • LEADERSHIP - Die Software, auf der alles läuft Der direkte Vorgesetzte ist in fast jeder relevanten Studie der stärkste Einzelfaktor für Bleiben oder Gehen. Laut Randstad 2025 nennen 20 % der Beschäftigten schlechte Führung als konkreten Kündigungsgrund. Laut Porsche Consulting scheitern 7 von 10 Transformationsvorhaben in deutschen Unternehmen - der häufigste Grund: mangelnde Führung. Führung ist keine Persönlichkeitsfrage. Sie ist eine Strukturfrage. Sie entsteht durch klare Erwartungen, konsequente Entwicklung und eine Kultur, in der Führungskräfte selbst Verantwortung übernehmen. LEADERSHIP beschreibt, wie das möglich wird - systematisch, nicht zufällig.
  • ORGANISATION - Das Gerüst, das Freiheit schafft Eigenverantwortung braucht Klarheit. Wer nicht weiß, was sein Beitrag zum Gesamtziel ist, kann keine echte Verantwortung übernehmen. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Wissensmanagement hat fast jedes zweite Unternehmen messbare Produktivitätseinbußen durch Wissensverlust erlebt. Nur 46 % der Beschäftigten empfinden den Wissensaustausch in ihrem Unternehmen als strukturiert. Unklare Rollen, verteiltes Wissen, fehlende Prozesse - das sind keine Kleinigkeiten. Sie sind die stillen Kostentreiber, die Unternehmen langsam ausbremsen. ORGANISATION bedeutet: Strukturen schaffen, die nicht einengen, sondern ermöglichen. Wissen sichern. Rollen klären. Wachstum skalierbar machen.

Warum alle sechs Elemente zusammengehören

Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen dem BIG SIX Ansatz und den meisten anderen HR-Angeboten im Markt. Die meisten Anbieter lösen Einzelprobleme. Recruiting-Agentur hier. Führungstraining dort. Kulturberatung, wenn es brennt.
Das BIG SIX Framework denkt diese sechs Elemente als System. Ein System funktioniert nur dann, wenn alle Teile zusammenwirken. Ein konkretes Beispiel: Ein Unternehmen investiert in ATTRACT und gewinnt mehr Bewerbungen. Aber wenn CULTURE schwach ist, werden die falschen Menschen angezogen. Wenn LEADERSHIP nicht funktioniert, werden die richtigen Menschen nicht gehalten. Wenn GROW fehlt, gehen sie nach zwei Jahren. Wenn ORGANISATION unklar ist, verliert das Unternehmen ihr Wissen, wenn sie gehen. Jede Phase verstärkt die anderen, oder schwächt sie. Das ist die Logik des Systems. Laut einer Studie von Personalwirtschaft / Cornerstone verzichten die meisten mittelständischen Unternehmen vollständig auf eine übergreifende HR-Strategie. HR bleibt Dienstleister statt strategischer Partner. Das Ergebnis: Maßnahmen werden isoliert umgesetzt und ihre Wirkung verpufft.

Wo fangen Sie an?

Das BIG SIX Framework ist kein Programm, das von vorne nach hinten durchlaufen wird. Es ist eine Diagnose. Jedes Unternehmen hat einen anderen Engpass. Der erste Schritt ist nicht die Lösung - er ist die ehrliche Bestandsaufnahme. Nicht wo Sie gerne stehen würden. Sondern wo Sie heute wirklich stehen. Drei Fragen helfen dabei: Wo verlieren Sie heute die meisten Menschen und wann genau? Während des Recruitings, in den ersten Monaten, nach zwei Jahren? Was sagen Mitarbeitende, die gegangen sind und was sagen die, die geblieben sind? Welches der sechs Elemente ist in Ihrem Unternehmen heute am schwächsten? Die Antworten zeigen den richtigen Einstiegspunkt. Nicht den einfachsten, sondern den wirksamsten.

Fazit: We create teams that stay.

Das ist keine Marketingformel. Es ist eine Haltung. Teams, die bleiben, entstehen nicht durch Zufall. Sie entstehen durch eine Architektur, die jeden Schritt gestaltet - von der ersten Sichtbarkeit als Arbeitgeber bis zur langfristigen Entwicklung jedes Menschen im Unternehmen. Das BIG SIX Framework ist diese Architektur. Es ist der Rahmen, in dem wir mit jedem Unternehmen arbeiten, das aufgehört hat, Symptome zu bekämpfen und anfängt, das System zu bauen. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Unternehmen heute steht: Sprechen Sie mit uns.

Nächste Schritte

Sie wollen nicht nur lesen, sondern in Ihrem Betrieb anpacken? Laden Sie sich unseren BIG-SIX Leitfaden herunter oder kontaktieren Sie uns für ein kostenloses Erstgespräch!

Autor

Jan Fischer
Gründer Wespect Jan Fischer ist Gründer der Wespect GmbH und Systemischer Coach. Er kombiniert fundierte methodische Expertise mit einem tiefgreifenden Verständnis für die strukturellen Herausforderungen von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs). Anstatt auf kurzfristige HR-Trends zu setzen, entwickelt er belastbare Führungssysteme und Prozesse, die dem Drehtür-Effekt strategisch entgegenwirken. Sein Fokus liegt darauf, für KMUs ein organisatorisches Fundament zu schaffen, das qualifizierte Fachkräfte nicht nur gewinnt, sondern langfristig an das Unternehmen bindet.

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* Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Schreibweise. Selbstverständlich beziehen sich alle Begriffe auf Personen jeden Geschlechts.